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stories:tau_ceti:katzensprung

Vom Nordpol zum Südpol ist nur ein Katzensprung

Die nun schon einige Monate andauernde Isolation bedrückte Ethan zunehmend. Obschon er früher meist glaubte, ohne andere Menschen besser zurecht zu kommen, weil er niemals „gut sozialisiert“ war und durch Gaunereien, Rücksichtslosigkeit und vielleicht auch Egozentrik eher ein gesellschaftlicher Außenseiter war, konnte er sich nicht damit abfinden, den Rest seines Lebens allein auf diesem Planeten bzw. Mond zu verbringen zu müssen. Was war nun mit all den anderen passiert, die sich auf den Planeten retten konnten?

Außer einer dürren Tagebuchseite des Geoingenieurs Delgardo hatte er ja bislang kein Lebenszeichen erhalten - wobei sogar fraglich war, ob Delgardo hier überhaupt lebendig ankam.

Dieser Planet war sicher klein, aber auch für seine bescheidenen Reisemöglichkeiten noch viel zu groß. Er brauchte ein Fluggerät, mit dem er den ganzen Planeten umrunden konnte, ohne sich ständig um das Aufladen von Batterien kümmern zu müssen. Er dachte zuerst daran, genügend Material für den Aufbau von Ladestationen mitzunehmen bzw. allmählich ein Netzwerk solcher Ladestationen auf dem Planeten zu installieren. In den meisten Gebieten gab es genug Biomasse (wie Pflanzen) um leicht zu bauende Biogeneratoren zu „betanken“, außerdem konnte er inzwischen auch Solarpanels bauen, die gerade tropischen und Wüstengebieten gut funktionieren würden. Aber die Ladevorgänge würden eine Rundreise um den Planeten zu einer Sache von Monaten machen und da bräuchte er auch entsprechend viel Proviant, Medikamente, Batterien für Werkzeug, Jetpack und Raumanzug und konnte doch nur recht und schlecht im Quadcopter übernachten. Bei einer Verletzung oder Krankheit käme er gar nicht mehr rechtzeitig zu seiner Basis bzw. Krankenstation.

Ein Fernziel wäre wohl eine komplette, fliegende Basis, die aber kaum Batterie-betrieben funktionieren könnte, wie sein jetziger kleiner Quad. Trotzdem blieb ihm nun nur der Weg sich optimal ausgerüstet mit dem Quad auf die Suche nach Leidensgenossen, seltenen Erzen und mehr brauchbaren Schrott zu begeben. Mit den hier reichlich vorhandenen Ressourcen konnte Ethan immerhin eine dritte Generation von Multiwerkzeug, Jetpack, Raumanzug und eine primitive, nicht tödliche Pulsabwehr-Waffe herstellen, um angreifende Viecher wenigstens kurz zu betäuben. Außerdem stellte er die wichtigsten Medikamente, viele Batterien, Trinkwasser und Notrationen her und packte auch noch etwas Material für Ladestationen in seinen Quad.

Am nächsten Morgen startete er gen Norden, weil er vermutete, dass er Richtung Äquator noch seltenere Erze finden würde, ihm fehlten noch Titan, Gold und Uran zur Umsetzung seiner Pläne. Nach Norden ging die Wüste erst in einen großen See oder ein flaches Meer mit vielen kleinen, bewaldeten Inselchen über. Ein Erzabbau unter Wasser schien nicht möglich, auch wenn er durchaus mit dem Raumanzug in tieferem Wasser tauchen konnte - zumindest in dem flachen Meer schien es aber nichts interessantes zu geben.

Als immer weniger Inselchen in diesem Ozean auftauchten, zweifelte Ethan bereits daran, überhaupt noch Land in diesem Ozean zu entdecken, aber dann lieferte der Scanner ein Signal eines weiteren außerirdischen Artefakts. Dieses Mal war es eine weithin sichtbare dunkle Kugel, bei der Ethan auch so etwas wie eine Einstiegsluke zu erkennen glaubte - war das ein Raumschiff der Aliens bzw. einstigen Bewohner des Planeten? Er landete in sicherem Abstand, um nicht wie bei der letzten Beobachtung einer harten Strahlung oder gar einem Abwehrmechanismus ausgesetzt zu sein.

Unweit des „Raumschiffs“ gab es auch wieder eine Kiste. Dort fand Ethan auch wieder eine Karte des Planeten mit einigen Markierungen - vermutlich weiteren POIs, die Ethan auf seine eigene Karte übertrug. Vorsichtig näherte er sich dann dem Raumschiff, von dem aber keine Abwehr-Reaktion oder Strahlung ausging. Es schien aus einem dunklem und sehr harten Material zu bestehen, denn auch mit seinem neuen, verbessertes Multiwerkzeug gelang es Ethan nicht, auch nur einen Kratzer in der Hülle dieses Dings zu hinterlassen, geschweige denn, es zu öffnen. Wenigstens wurde er dabei aber auch nicht angegriffen.

Dennoch ziemlich enttäuscht machte Ethan sich auf den Weg zum nächsten POI- ganz der Nähe gab es auch das Signal einer menschlichen Ansiedlung oder weiteren Absturz-Stätte. Dort wurde Ethan's Enttäuschung aber noch viel größer. Hier hatte wohl jemand angefangen, sich eine Unterkunft zu bauen, war aber nicht weit damit gekommen. Neben ein paar Wand- und Bodenelementen fand Ethan nur noch den Signalgeber und ein weiteres Datenkristall - wieder von diesem Delgardo. Der Ingenieur konnte sich also tatsächlich aus der Rettungskapsel befreien - wie aber war er die vielen Kilometer fast bis zum Äquator des Planeten gekommen, ohne eine weitere Spur zu hinterlassen. In dieser Tagebuchseite beschrieb er die erste, auch für ihn recht angenehme und ruhige Nacht in seinem „neuen Heim“. Damit konnte er aber wohl kaum die paar Trümmer gemeint haben, die hier noch herum standen. Oder hatte er den Rest irgendwie transportiert und hinterließ hier nur für ihn unbrauchbaren Schrott? Auch Ethan hatte ja mit dem Gedanken gespielt, seine erste Basis wieder komplett abzureißen, um woanders mit dem Material eine neue zu bauen.

Als Ethan die Umgebung der Ex-Basis des Geo-Ingenieurs näher untersuchte, entdeckte er wieder große Erzvorkommen - hier gab es tatsächlich reichlich Titan und Uran. Besaß der Geoingenieur vielleicht inzwischen schon ein nuklear angetriebenes Fluggerät, mit dem er den Planeten leicht hunderte Male umrunden konnte, ohne sich um Treibstoff sorgen zu müssen? Ethan sammelte jedenfalls so viel Erz wie sein kleiner Quadcopter tragen konnte, stellte sicher, das die Batterieladung für den Heimweg reichen würde und machte sich auf Rückweg zu seiner zweiten Basis. Hier hätte er wohl nun genug Erz, um zumindest ein Fluggerät mit erheblich weiterer Reichweite bauen zu können.

„Zuhause“ angekommen ruhte er sich erst mal aus, bevor er den Quadcopter entlud, denn er war nach dem langen, harten Arbeitstag sehr müde. Vor dem Einschlafen dachte er noch einmal über Delgardo nach. Hatte er ihn früher einmal kennengelernt? Auf der Anita gehörte Ethan nicht zur Besatzung, sondern wurde schon bald nach dem Abflug in eine Cryo-Kammer gesteckt, denn Kabinenplatz und Versorgung gab es nur für wenige Menschen - wie Delgardo, also die aktive Schiffsbesatzung. Delgardo war sicher ein fähiger Terraforming- Spezialist, der bereits während der Reise alle Informationen über das Ziel im Tau Ceti System auswertete. War dieser Planet das eigentliche Ziel bzw. gab es überhaupt ein konkretes Ziel im mysteriösen Tau-Ceti-System ?

Delgardo hatte da mit Sicherheit einen großen Wissensvorsprung, offensichtlich deshalb auch überlebt und vielleicht von Anfang an eine viel bessere Ausrüstung als er dabei. Sollte Ethan ihn suchen oder sich besser vor ihm in Acht nehmen - misstrauisch wie er aufgrund seiner Lebenserfahrungen eigentlich war. Aber für weitere Grübelei war er zu müde und am nächsten Tag wartete noch viel Arbeit auf ihn.

Sein Schlaf war eher unruhig, er hatte einige üble Träume, an die er sich Morgens aber bald nicht mehr erinnern konnte. Er verspeiste ein üppiges Frühstück aus entgifteten Früchten und befreite dann den überfrachteten Quadrocopter von seiner schwach radioaktiven Erz-Last. Ethan hoffte, dass sein neuer Raumanzug ihn vor einer weiteren Verstrahlung schützte, während er eine Raffinerie für das Uranerz und einen kleinen Fissionsreaktor baute, der künftig die gesamte Basis versorgen sollte. Für die Maschinen und Werkzeuge, die er jetzt brauchte, könnte ein Biogenerator nicht genug Strom liefern. Dazu gehörte auch ein viel größerer Nahrungs & Wasser -Aufbereiter und ein großes Gewächshaus außerhalb seiner eng werdenden Behausung. Er würde sehr viel Wasser reinigen und daraus schweres Wasser (Deuteriumoxid) heraus filtern müssen - also den Brennstoff für einen Fusionsreaktor, der den Antrieb seines neuen Fluggeräts speisen sollte. Zur Beschaffung dieser großen Wassermengen musste er auch noch eine leistungsfähige Wasserpumpe bauen - aber an viel Wasser zu kommen war hier ja kein Problem, wenn man 30 cm grub, füllte sich das Loch bereits in ein paar Sekunden mit Wasser und beim Löcher graben fiel hier gleich noch eine Menge Silbererz ab.

Nach vier Tagen harter Abend war Ethan endlich fertig und entspannte sich vor seiner Hütte an seinem künstlichen See mit der leise summenden Wasserpumpe. Erst jetzt nahm er einen jener spektakulären Sonnenuntergänge bewusst wahr, die er aufgrund der Arbeitsbelastung hier noch gar nicht genießen konnte. So sehr er diesen Ort inzwischen auch liebte - er müsste sicher sehr bald auch diese Basis aufgeben und weiter ziehen müssen, wenn er menschliche Gesellschaft haben wollte. Besonders diesen Delgardo wollte er gerne finden.

Am nächsten Morgen begann Ethan mit der Konstruktion eines neuen, mit einem leichten und mobilen Deuterium Reaktor ausgerüsteten Quadrocopters. Dieser gelang ihm nicht nur etwas „schnittiger“, sondern hatte mehr als die doppelte Ladekapazität bei gleicher Geschwindigkeit und nahezu unbegrenzter Reichweite. Spät in der Nacht war er mit der Konstruktion und landete den gegenüber seinem Erstlingswerk auch erheblich wendigeren Copter auf dem Dach seiner nun durch die vielen Maschinen recht eng und unbequem gewordenen Hütte.

Er könnte nun ohne Stop mehrfach um beide Pole kreisen ohne jemals „auftanken“ zu müssen - und wenn ja- Wasser als „Brennstoff“ gab es auf dem Planeten mehr als genug und auch eine Deuterium-Raffinerie konnte er jetzt leicht überall errichten. Nur etwas langsam war die Reiserei noch - vielleicht konnte er aber bei seiner ständigen Suche nach Alien- Technologie noch einen Durchbruch erzielen oder solche Alien-Portale nutzen, wie er unlängst eines entdeckt hatte - oder auch eines dieser Kugelraumschiffe wieder flott kriegen. Irgendwie mussten die Aliens da ja auch rein gekommen sein - vielleicht flog ja sogar Delgardo bereits schon mit so einem Ding durch die Gegend - und hatte den Planeten damit bereits verlassen. Die Vorstellung versetzte Ethan einen Stich ins Herz - nicht dass Delgardo ihm etwas bedeuten würde - er kannte ihn ja überhaupt nicht- aber auch sonst schien es hier ja keine Menschen zu geben. Aber nun konnte Ethan das ja wenigstens nachprüfen.

Nach ein bisschen Erholung und Herstellung von viel Proviant startete Ethan zu einer größeren Reise. Er wollte erst einmal alle Klimazonen bzw. Biome des Planeten erkunden und nach einer Häufung von POIs suchen, wo vielleicht der Großteil der Anita bzw. der Rettungskapseln auf den Planeten gefallen war. Er startete am frühen Morgen, um gut mögliche Artefakte, Trümmer und Bauten aufspüren zu können.

Die recht uninteressanten Meere könnte er vielleicht auch nachts überfliegen - aber dabei könnten ihm auch Inselchen entgehen. Er hoffte, etwaige Siedler wären gerade nachts auch durch Lichtquellen von weitem zu erkennen - zumindest seine eigenen Basen konnte er so schon aus großer Entfernung auch auf Sicht wiederfinden. Am Äquator bog Ethan in Ostrichtung ab, da hier außer endlosen Wasserflächen nichts interessantes zu finden war. Erst nach ein paar Stunden Flugzeit kam wieder Land in Sicht - allerdings eine öde, unbelebt erscheinende Wüste mit kaum erkennbarem Bewuchs. Trotzdem gab es hier vielleicht noch Erze, die Ethan noch fehlten. In einigen Plänen für Werkzeuge einer vierten Generation war von einer „Superlegierung“ die Rede, für die man auch ein Metall namens Xaenit brauchte. Ethan landete in einem Bereich der Wüste mit besonders feinem, seltsamen Dünen bildenden Sand. Die Hitze hier war unerträglich - auch Ethan's Raumanzug der dritten Generation fiepste ständig Überhitzungswarnungen - lange konnte er sich nicht aufhalten und zog sich immer wieder in den besser klimatisierten Copter zurück. Nach einigem Graben an verschiedensten Stellen dieses Sands fand er dann tatsächlich dieses rot leuchtende, offensichtlich radioaktive Xaenit.

Wer auch immer diese Baupläne verfasst hat, kannte sich mit Alien-Technologien wohl bereits gut aus und war vielleicht sogar hier oder einem anderen Planeten des Tau Ceti Systems gewesen und hatte sich das Zeug für seine Experimente beschafft. Vielleicht hatten die Wissenschaftler bei dem „Relais“ auf dem Mars aber auch etwas davon geborgen.

Ethan sammelte trotz dieser brutalen Hitze soviel er konnte, bevor er die unwirkliche Gegend wieder Richtung Heimat verließ. Er wollte nun erst mit dieser Superlegierung sein Werkzeug und den Raumanzug verbessern - anscheinend konnte man auch erheblich stärkere Copter- Triebwerke und Antriebe damit bauen. Damit würde sich nicht nur seine Reise- Reichweite erhöhen - auch die Reisezeiten wären nicht mehr so ein Problem bei der Planeten-Erkundung.

Auf dem Rückweg geriet der Copter in ziemlich übles, stürmisches Wetter. Ethan hatte großes Glück in der gemäßigten Zone abgestürzt zu sein, denn mit der miserablen Ausrüstung, die er anfangs hatte, hätte er die Wüste oder besonders die Region des Äquators und wahrscheinlich auch der Pole nicht lange überlebt. Selbst in der gemäßigten Zone hatte er bei Ausfall der Anzugsheizung mangels Batterien ja bereits erbärmlich gefroren. Den Gewalten des Sturms, den Ethan gerade durchflog, wollte er sich auch jetzt noch nicht aussetzen müssen - Der neue Copter bot aber selbst gegen Naturgewalten wie diese einen zuverlässigen Schutz - die nächste größere Reise sollte ihn also zu einem der Pole führen.

stories/tau_ceti/katzensprung.txt · Zuletzt geändert: 2018/09/21 16:45 (Externe Bearbeitung)