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My home is my castle

Die nächsten Wochen verbrachte Ethan nur noch damit, in der Nähe Rohstoffe zu sammeln, um daraus Bausteine für weitere Ausrüstung und eine solide Basis herzustellen. Dazu gehörte auch ein spezieller 3D-Drucker für Ausrüstungsteile und eine Stasis-Kammer, in der er sich nach Unfällen oder Auseinandersetzung mit Fauna oder Flora bessser regenerieren konnte. Solide Wände und ein stabiles Dach ermöglichten Schutz vor jeder Wetterlage oder jenen angriffslustigen Biestern, die ihn beim letzten großen Ausflug leicht hätten töten können. Auf dem Dach installierte Ethan auch ein einige Kilometer weit sichtbares Signallicht - nicht ganz ohne die Angst, damit auch unliebsame Besucher bzw. diese Bestien anzulocken. Wichtiger war ihm aber, bei einer weiteren Flucht ein klares Ziel vor Augen zu haben.

Nach dem Hausbau verbesserte er seine gesamte Ausrüstung mit einem neuen, stabileren Raumanzug, einem tragfähigerem Jetpack und einem effektiveren Multiwerkzeug. Vor allem aber stellte er reichlich Batterien her, damit er nicht noch einmal auf einen wohl temperierten Anzug, Helmlampe und Jetpack- Mobilität - gerade in kritischen Situationen verzichten musste.

Das Innere seines neuen Heims hätte sicher nicht den ästhetischen Ansprüchen seiner geschiedenen Ehefrau auf der fernen Erde entsprochen, aber hier fand Ethan alles, was ihm in dieser Situation wichtig war - Sicherheit und eine Ausstattung, die einem Menschen das Überleben in dieser Welt auf mittlere oder lange Sicht ermöglichten. Solange er genug Brennstoff für den Generator und Wasser hatte, brauchte er sein Zuhause eigentlich gar nicht zu verlassen, alles andere konnte er hier nun selbst herstellen.

Halt- eine Ausnahme erschreckte ihn dann doch noch - Medikamente. Er dachte an Giftpflanzen und stechende Insekten, denen er bereits begegnet war - er hatte bislang noch keine Medikamente gegen Infektionen oder Vergiftungen; außer Verbänden konnte er noch kein medizinisches Material herstellen. Er recherchierte in den Handbüchern den Bauplan einer „kompakten Krankenstation“ und feuerte das Buch verzweifelt an die Wand - weil ihm für einige Elektronik-Teile noch Silber fehlte. Ethan hatte zuerst keine Ahnung, wie oder woher er nun Silber oder diese Teile beschaffen sollte - bis ein Blick durch das Fenster auf den Schrott der abgestürzten „Anita“ und der nun nicht mehr benötigten Rettungskapsel fiel. Er hatte bislang vergeblich versucht, dies Material irgendwie mit dem ersten Multiwerkzeug zu verwerten - das hatte aber nur wenig Kraft. Nun konnte er es ja einmal mit dem verbesserten Tool probieren. Er stürzte hinaus in den Regen und lief zuerst zur Rettungskapsel, die mit Elektronik vollgestopft war, die sicher auch viel Silber enthielt.

Er bearbeitete die Rettungskapsel mit dem Multiwerkzeug und es schien sich wieder nicht viel zu tun - nach gefühlt endloser Zeit bzw. Verbrauchen fast einer halben Batterieladung wurden einige Teile extrahiert- auch acht der Elektronikteile, von denen er eigentlich nur zwei für die Krankenstation benötigte - außerdem kam eine ganze Menge anderer wertvoller Bauteile heraus. Ethan stellte nun noch einmal eine Menge Batterien her, um alle Schrott-Teile rund um sein Heim recyclen zu können und würde mit offenem Augen nach weiterem Schrott der Anita suchen, der ja nach dem Absturz wohl verstreut über den ganzen Mond zu finden sein müsste.

Zuerst einmal erweiterte er sein Heim um die Krankenstation und stellte alle Medikamente her, die ihm für weitere Reisen wichtig erschienen.

Die nächste größere Reise wollte Ethan viel besser planen. Aus den Bauanleitungen bestimmte er alle Rohstoffe, die es hier in der näheren Umgebung nicht gab. Neben Silber waren das vor allem noch Kobalt, Aluminium und Titan. Er würde möglichst bald ein besseres Transportmittel brauchen, der Jetpack eignete sich nur für kurze Hüpfer über Hindernisse oder raschen Rückzug wenn ein Vieh ihn angriff, für ein rasches Vorankommen war er nicht geeignet.

Ethan fand Baupläne für Bauteile von Radfahrzeugen und Luftschrauben für Helikopter- artige Fluggeräte. Seine Absturzstelle lag in hügeligem Gelände, mit einem Fahrzeug, für das er alle Materialien hier zwar fand, käme er nicht weit, für ein Fluggerät brauchte er aber große Mengen von Rohstoffen, die es hier nicht gab. Ihm blieb eigentlich nur die Möglichkeit, zu Fuß bzw. per Jetpack nach einer geeigneteren Umgebung für eine neue Basis Ausschau zu halten, von der aus er etwas mobiler war - etwa im Flachland, wo ein Rad- oder Luftkissen- Fahrzeug einsetzbar sein würde- für letzteren Antrieb fand er auch Baupläne; die Terraforming-Experten hatten hier eine Menge unterschiedlicher Geländearten berücksichtigt, als sie die Ausstattung der ersten Siedler planten.

Statt aber Sinn- und Ziel- los drauflos zu marschieren, baute er zuerst einen mobilen Scanner, der auch POIs (points of interest) anzeigen konnte, also konkret Absturzstellen und alles sonstige, was Funksignale aussendete. Ethan würde künftig auch alle weiteren interessanten Fundstellen mit Funk-Signalgebern ausrüsten, um dorthin zurück kehren zu können - das war für große Entfernungen zweckmäßiger als das auffällige und Energie verschwendende Laser- Leuchtfeuer auf dem Dach seiner Behausung.

Ein Scan von 2 km der Umgebung zeigte immerhin zwei Fundstellen menschlicher Ansiedlung und zwei weitere von Alien-Artefakten an. Ethan rüstete sich mit genügend Batterien, sauberem Wasser und Proviant aus, um nach den zwei Fundstellen im Norden zu suchen.

stories/tau_ceti/homecastle.txt · Zuletzt geändert: 2018/09/21 16:45 (Externe Bearbeitung)