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Der lange Weg nach Süden

Nach seiner Rückkehr von der unbewohnbaren Wüste am Äquator stellte Ethan zuerst die für eine Ausrüstung der „vierten Generation“ benötigte Menge der „Superlegierung“ her, wozu auch das hoch radioaktive Xaenit gebraucht wurde. Paradoxerweise stellte diese Superlegierung aber auch den effektivsten Schutz vor Radioaktivität dar. Ethan war kein Physiker oder Metallurge, hatte überhaupt keine akademische Bildung und ihm war solches „Detaillwissen“ auch egal. Sein 3D- Drucker konnte das Zeug herstellen und er musste den Bauplänen glauben, das sein neuer Raumanzug ihn nun auch so effektiv gegen Strahlung schützte, wodurch er es wohl auch länger bei den Alien- Portalen aufhalten konnte. Auch der neue Jetpack und das Multiwerkzeug wurden die Alien- Technologie wesentlich verbessert und damit fühlte sich Ethan nun gut ausgerüstet für wirklich große Reisen um den Planeten.

Was noch fehlte, war ein größerer Vorrat an Deuterium. Seine zweite Basis bot Ethan zwar unbegrenzte Mengen an unsauberen Wasser, aber zur Reinigung und Gewinnung des Deuteriums brauchte es noch viel Kohle, die es hier nicht gab. Ethan belud den neuen Kopter also mit einigen hundert Litern Wasser und Baumaterial für Wasseraufbereiter und Raffinerien. Sein erstes Ziel war seine alte Basis in den Bergen, wo es sehr viel Kohle aber wenig Wasser gab. Dort konnte er es gut ein paar Tage dauern, denn die Herstellung des Deuteriums brauchte einiges an Zeit. Noch in der Nacht flog er in die Berge und übernachtete bei der alten Basis, um am nächsten Tag große Mengen Kohle abzubauen und damit das mitgebrachte Wasser aufzubereiten und aus dem sauberen Wasser Deuterium zu raffinieren.

Einige Tage später konnte Ethan den Copter mit Deuterium für sicher mindestens eine Planetenumrundung betanken und brach diesmal in Richtung Südpol auf. Lange flog er über die dichten Waldgebiete der gemäßigten Zone ohne dass er unten etwas Bemerkenswertes ausmachen konnte - bis einige Kilometer östlich das Notsignal eines Signalgebers gemeldet wurde. Als Ethan diese Stelle in dichtem Wald erreichte, konnte er von oben nichts erkennen und landete bei einer Lichtung in der Nähe. Zwischen den Bäumen fand er ein fest gefahrenes und verlassenes Fahrzeug - wie er bereits vermutet hatte, waren Fahrzeuge wohl an den meisten Stellen des Planeten absolut unbrauchbar.

Dem Fahrzeug fehlte bereits das rechte Vorderrad - wahrscheinlich wollte der Fahrer es reparieren und hatte weder Material noch geeignetes Werkzeug dabei. Bei der weiteren Untersuchung fand Ethan auch noch nicht einmal einen Wagenheber oder eine Winde, die notwendig gewesen wäre, das Gefährt aus der Senke zu ziehen, in die es geraten war. Außerdem fand Ethan den Datenkristall einer Biologin namens Fabienne Manancourt, für die hier wohl Endstation war. Sie hatte es wohl von weit südlich durch die vereiste Tundra bis hierher geschafft und musste wohl zu Fuß ihren Weg fortgesetzt haben - ohne jedoch eine Spur zu hinterlassen, die Ethan vielleicht gefunden hätte. So schlecht ausgerüstet wie sie hier ankam, hoffte Ethan für sie, dass sie hier in der wesentlich lebensfreundlicheren Umwelt ihren Weg zum Überleben gefunden hatte. Technisch und logistisch war sie wohl als Biologin nicht gut ausgebildet, kannte aber als Besatzungsmitglied die Fauna und Flora des Planeten besser als Ethan und hatte deshalb hoffentlich hier ein Chance - auch ohne all den technischen Aufwand, den Ethan betrieb.

Er konnte außer guten Wünschen momentan nicht mehr für Fabienne tun, was ihn sehr unglücklich machte. Seufzend verließ er das Fahrzeugwrack - es lohnte auch nicht es auszuschlachten, alles Material, aus dem es Bestand, gab es hier ja in Hülle und Fülle - jemand mit etwas mehr technischem Know How hätte es reparieren und seinen Weg fortsetzen können - bis ins nächste Loch. Dies Fahrzeug war hier echt nutzlos, aber hatte Fabienne wenigstens eine Weile Schutz vor der Witterung und den Biestern geboten.

Ethan setzte seinen Weg Richtung Südpol fort - Fabienne hatte geschrieben, dass nicht nur sie von der kalten Tundra hierher aufgebrochen war, sondern dass im Bereich um den Südpol wohl große Teile der Anita und Rettungskapseln nieder gegangen seien. Nach weniger als einer Flugstunde lichtete sich der Wald und machte einer Art Tundra Platz. Hier war der Boden nur noch von Flechten und wenigen größeren Bäumen bedeckt. Da die Landschaft hier auch recht flach wurde, musste Ethan auch einsehen, das Fahrzeuge nicht auf dem ganzen Planeten unbrauchbar waren, hier fand er die Erklärung, wie Fabienne es überhaupt schaffen konnte, bis in den „Waldgürtel“ der gemäßigten Zone zu gelangen.

Im weiteren Verlauf nach Süden wurden Bäume aber immer spärlicher und der Boden schien immer mehr mit Rauhreif oder Schnee bedeckt zu sein. Wahrscheinlich begann hier eine Permafrost- Zone, was aber nicht das Leben allgemein zu beeinträchtigen schien. Es gab große Herden der „Rinder“ und „Hirsche“ und auch noch angriffslustigere „Godillas“, die hier jagden und von Fleisch ernährten, da pflanzliche Nahrung rar wurde und sich nur für Nahrungsspezialisten eignete, denen auch ein paar Flechten reichten.

Das Fabienne dieses für Menschen eher lebensfeindliche Gebiet wohl unbeschadet durchqueren und überleben konnte (hatte sie vielleicht auch Waffen?) erhöhte Ethan's Achtung vor dieser Biologin und seine Zuversicht, dass sie noch leben konnte erheblich. Aus diesen Gedanken wurde er durch ein weiteres Notsignal gerissen. Ein paar Kilometer weiter wurde wieder ein Alien- Artefakt gemeldet. Dieses Mal landete Ethan seinen Copter ganz in der Nähe - das vermeintliche Raumschiff hatte dieses Mal nicht die Form einer Kugel, sondern die eines kantigen Dekaeders. Draußen tobte ein Eissturm - für Ethan mal ein Anlass auch die Effektivität des neuen Raumanzugs zu testen.

Auch neben diesem evtl. havarierten Raumschiff fand Ethan einen Container, der etwas Xaenit und Aufzeichnungen über ein Portal- Bauwerk irgendwo auf dem Planeten und andere noch unverständliche Dokumente enthielt. Ethan nahm einfach alles mit, überprüfte aber auch den Boden der Umgebung des Raumschiffs auf Erze. Hier gab es ähnlich wie im Umkreis seiner zweiten Basis viel Kobalt und Aluminium und etwas Silber - das brauchte er hier aber nicht zu fördern und setzte seinen Weg Richtung Südpol fort. Es folgte ein langer, ereignisloser Flug durch die Schlechtwetterzone, bis die letzten Bäume verschwanden und fast nur noch Eis und verdörrte Flechten den tiefgefrorenen Boden bedeckten, bis Ethan endlich wieder durch ein neues Notrufsignal aufgeschreckt wurde. Als er die Stelle erreichte, staunte er nicht schlecht: Hier stand inmitten der Einöde ein offensichtlich verlassenes Gebäude, das seinem recht ähnlich war.

Verlassen war es wohl, weil sowohl Dach als auch eine Seitenwand stark beschädigt war und sich im Inneren auch bereits eine Menge Schutt abgelagert hatte. Als Ethan um das Gebäude herum ging, fand der auch eine Fahrzeugrampe. Der Erbauer des Gebäudes besaß wohl auch ein Fahrzeug, dass er so ohne durch Wind und Wetter laufen zu müssen, direkt besteigen konnte; auch etwas eher wertloser Schrott der Anita war noch um das Gebäude verteilt.

Da Ethan in dieser unwirtlichen Umgebung noch kein Zuhause hatte, nicht sehr weit von hier wohl auch die von Fabienne beschriebene große Absturzstelle der Anita sein sollte und der Reparaturaufwand hier minimal war. Außer Ersetzen von zwei Wand- Elementen und eine Dachplatte und Zusammenkehren von ein bisschen Schutt weg kehren brauchte Ethan nichts zu tun, um sich einen weiteren „Brückenkopf“ für die Erkundung der Südpolregion zu verschaffen. Für Ethan's Geschmack war die Behausung mit nur einem kleinen Fenster etwas dunkel, aber der Erbauer wusste vielleicht, was er tat.

Wahrscheinlich hatte der Bewohner bei seinem Auszug aus der Ödnis auch alles Wichtige oder Wertvolle mitgenommen, denn der Innenraum des Gebäudes war bis auf einen kleinen Behälter leer. Der Behälter enthielt ein weiteres Datenkistall - von Geoingenieur Delgardo. Hier stellte sich nun heraus, dass Delgardo wie auch Fabienne auch in dieser Südpolgegend abgestürzt war und das möglicherweise jenes erste „Zuhause“ war, dass er auf dem anderen Datenkristall erwähnte, welches Ethan in der Nähe seiner zweiten Basis fand. Wie der Kristall oder auch Delgardo dort hingekommen war, konnte Ethan sich nicht erklären - mit seinem damals wohl genutztem Fahrzeug wäre er wohl auch nicht weiter als Fabienne gekommen.

Egal - nun konnte Ethan Delgardo für einen ohne viel Zeitaufwand erworbenen Stützpunkt dankbar sein - von hier aus konnte er zur weiteren Erkundung der von Fabienne beschriebenen großen Absturzstelle immer wieder aufbrechen und sich hier von den Strapazen erholen. Er führte schnell die Reparaturen und Aufräumarbeiten durch und legte sich - jetzt noch mangels besserer Einrichtung - im Schlafsack auf dem Boden zur Ruhe.

stories/tau_ceti/fabienne.txt · Zuletzt geändert: 2018/09/21 16:45 (Externe Bearbeitung)