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Digitalisierung vs. Dilettantisierung: Das Internet der Dinge

Digitalisierung ist wohl das Buzzword dieser Tage, dabei begleitet mich die zunehmend digitale Verarbeitung analoger Sensordaten und digitale Steuerung elektrischer Geräte bereits mein ganzes Berufsleben.

Neu ist eigentlich nur die normierte und Paket-orientierte Übertragung solcher Daten über ein globales Netzwerk - Internet genannt.

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Veränderungen in der Studiotechnik (Radio & Fernsehen)

In meiner letzten Anstellung bei der LAWO AG im Audio/Video-Broadcasting- Bereich (inzwischen bin ich Rentner) konnte ich alle Phasen der fortschreitenden Digitalisierung noch erkennen - dies alles zieht sich bei Studios und Sendern über Jahrzehnte und ist bei vielen noch lange nicht abgeschlossen. Die nachfolgend genannten Schritte sind nicht zwingend chronologisch, bauen aber aufeinander auf.

  1. ursprünglich verarbeiteten Sender, Empfänger und Verstärker noch Analogsignale und waren direkt über unterschiedlich spezialisierte Kabel verbunden, die recht störanfällig waren; jede Verbindung erforderte solch ein bestimmtes Kabel, der „Kabelsalat“ in einem Studio war verheerend und jede Komponente und Verbindung verschlechterte die Signalqualität weiter - mancher Leser denkt vielleicht an seine eigene Hifi- und Fernseh- Infrastruktur zurück.
  2. es folgte die erste Welle der Digitalisierung, man brauchte aber immer noch für jede Signalverbindung spezielle Kabel und und Verbinder - und alles war fest verdrahtet und jede Änderung eine neue Herausforderung; für Heimanwender war wohl die 1982 eingeführte Compact Disc (CD) das erste digitale Medium, bessere CD-Player hatten auch bereits optische digitale Ausgänge
  3. in den Studios kamen zur Studio-Verkabelung Koppelfelder (ähnlich einer Telefonvermittlung) auf, bei denen elektronisch ansteuerbare Schalter die Verbindungen der Signalkabel herstellten und trennten.
  4. mit der Verbreitung von Microcomputersystemen (PCs) mit seriellen Schnittstellen RS 422 wurde es möglich, Verkabelungen durch einen Computer zu schalten und verschiedene Kabel-Konfigurationen für ein Studio auf Massenspeichern (Diskette, Festplatte) abzuspeichern. Genau in diesem Bereich wurde die LAWO einer der wichtigsten Anbieter Virtual Studio Manager VSM
  5. die seriellen Schnittstellen wurden mit dem Aufkommen von PC-Netzwerken und einem normierten Internet-„Protokollstapel“ (IP) durch Netzwerk-Schnittstellen (Ethernet) ersetzt. Das vereinfachte die Verkabelung durch ein Bussystem, welches Datenpakete beliebig durchs Netz verteilen konnte erheblich.
  6. Durch die Vielseitigkeit der IP-Protokolle und gewaltige Leistungssteigerung bei der Hardware konnte man schließlich auch die Audio/Video-Daten selbst in kleinen Paketen durch das Datennetz schicken und die Verkabelung in Studios reduzierte sich immer mehr zu Baumstrukturen von IP-Routern - also zu einem LAN. Das gesamte Studio verwandelte sich in ein auf Medien spezialisiertes :de:Rechenzentrum mit beliebig und jederzeit änderbaren „virtuellen“ Verbindungen von Audio/Video- Strömen (Streaming).
  7. Nicht nur die LANs der Studios wurden leistungsfähiger, schließlich nutzte man das Internet selbst auch zum direktem Transport bzw. Broadcast zu den Hörern oder Zuschauern, bei denen die Endgeräte (Set-Top-Boxen) inzwischen direkt für IP empfänglich wurden. Bei Audio verdrängt Streaming physische Tonträger wie Schallplatten, Tonbänder und CDs mittlerweile weitgehend und auch Fernsehen wird zunehmend per IPTV gestreamed und Fernsehsender mit einem festen Programm sind rückläufig.
  8. Statt klassischer Fernsehsender bestimmen nun Dienste der großen Rechenzentren der „Cloud“ (Amazon, Netflix, Youtube) die „Fernseh“-Landschaft und bestimmen so das Unterhaltungsprogramm. Die Entwicklung geschieht also nicht nur auf technischer Ebene, die Medien werden nun auch anders und von anderen Zielgruppen anders genutzt, das hat inzwischen auch politische Auswirkungen, wie „Youtube Influencer“ wie „Rezo“ demonstrieren.

Die Ironie dieser Geschichte sind die im neoliberalen Wachstumswahn (die „Märkte“ regeln alles wie von selbst und wachsen unbegrenzt) geschaffenen neuen Oligopole jene zerstören, die immer noch blind für ihre eigene „Zerstörung“ sind. Sie haben eine Welt geschaffen, die sie nicht mehr verstehen und die sie nicht mehr versteht. Nun wollen sie etwas „regulieren“, was sie nicht verstehen und worüber sie noch nie eine Kontrolle hatten. Diese Entwicklung hat bereits vor Jahrzehnten neben dem Informatiker :de:Joseph_Weizenbaum auch der polnische Kybernetiker und Science-Fiction Autor Stanislav Lem voraus gesehen und nur noch sozialkritische Essays geschrieben.

Überall IP

Da ich den massiven Veränderungen in Studios und Ü-Wagen beruflich am nächsten war, nahm ich dieses Beispiel - ähnliche Entwicklungen gibt es aber in allen Bereichen in Landwirtschaft, Industrie, Wissenschaft und selbst im Heimbereich. Die meisten Leute wissen gar nicht, wie viele über Kabel, WLAN oder Bluetooth vernetzte Computer sie bereits im Haushalt betreiben. Computer sind nicht nur PCs und Smartphones. Auch Router, WLAN-Extender, Wetterstationen, Alarmanlagen, Stromzähler, Heizungssteuerungen, Fernseher, Kopfhörer, Armbanduhren, Küchenmaschinen und alle anderen per Smartphone oder Fernbedienung gesteuerten Geräte sind Computer mit einem Microcontroller als Herzstück - und die meisten davon kommunizieren inzwischen über IP und können somit direkt oder indirekt über das Internet verbunden werden.

Durch Universalität, Flexibilität und eine gemeinsame technische Basis verdrängen per IP kommunizierende Geräte inzwischen sonstige analoge oder spezialisierte Digitalgeräte aus allen Bereichen, wo digitalisierbare Signale und Daten anfallen. Das gilt umso mehr, da besonders Funkverbindungen von durch IP genormte, Paket-basierte Übertragung profitieren. Wenn sich hier an der technischen Basis (z.B. neue Funkfrequenzen) Neuerungen oder höhere Leistungen ergeben, sind diese für sämtliche Geräte nutzbar, die auf IP aufsetzen. So gibt es schon lange kein spezifisches Telefonnetz mit digitalen Standards wie ISDN mehr, sondern mit VOIP (IP Telefonie) gibt es Protokolle, die für alle Fest- und Mobilnetze gleichermaßen gelten.

Wenn also demnächst die fünfte Mobilfunkgeneration 5G kommt, wird darüber nicht in erster Linie telefoniert, sondern es werden ganz allgemein Datenendgeräte, Router und Server damit vernetzt, denn mit einem Smartphone werden heute mehr Daten ausgetauscht als damit noch telefoniert. Das Smartphone hat sich zum Fenster in die Digitalwelt etabliert, bei dem aber auch alle persönlichen Verbindungen und Beziehungen eines Individuums zusammen kommen. Beispielsweise ersetzt in chinesischen Großstädten das Smartphone auch bereits Bargeld und Kreditkarten. Damit fällt aber leicht jeglicher Datenschutz weg und die Kontrolle der Bürger wird stärker, als Orwell und Samjatin es sich in ihren Dystopien ausmalen konnten. In allen chinesischen Großstädten soll 2020 bereits ein Sozialkreditsystem zur System-konformen Umerziehung der Bürger eingeführt werden. Zu erwartende technische Fortschritte im KI- Bereich (deep learning) machen die Aktivitäten jeder Person fast überall verfolgbar und manches Verhalten sogar vorhersehbar. Firmen wie Intel und Microsoft nutzen China als Experimentierfeld für KI und die ebenfalls vor dem Durchbruch stehenden Quantencomputer, um Gesellschaften besser kontrollieren zu können - denn im eigenen Land wären derartige Experimente (noch) nicht durchsetzbar.

Die Smartphones etablieren sich also per installierbaren „Apps“ inzwischen zur Universalfernbedienung. Der Nutzer erwartet heute, damit seine ganze Hauselektronik (Steckdosen, Lampen, Garagentüren, Küchengeräte, Hifi-Anlage, Fernseher etc.) steuern zu können. Im Auto will er darauf abgespeicherte Musik hören, damit navigieren und über die Verkehrssituation informiert werden. Viele bezahlen auch bereits damit oder versacken gar als „Smombies“ so in der digitalen Welt, dass sie die Realwelt um sich herum kaum noch korrekt wahrnehmen. So stellt sich wirklich die Frage, was diese Dinger noch alles steuern - auf der anderen Seite des Displays …

Ich gehe später noch mit weiteren Videos auf die vor allem bei Generation-Y und Z verbreitete „Phone-Addiction“ und gesellschaftliche Veränderungen durch Missbrauch der Digitalisierung ein. Für „Transhumanisten“ schließt das „Internet of Things“ auch Menschen mit ein - sie unterscheiden Individuen nicht von „anderen Objekten“ - Menschen sind für sie nur Dinge im Netz - so erlebte ich bereits den bekannten MIT Transhumanisten :de:Marvin_Minsky in einem Diskurs mit :de:Joseph_Weizenbaum beim Borland Software Festival 1991. Naja, damals fand ich Minsky noch cool- obwohl ich seine skurrilen Ideen wie Leichen noch mit einer KI als Roboter zu „reparieren“ und wieder „verwendbar“ zu machen schon etwas gruselig fand 8-O. Wenn ich heute scheinbar seelenlose und „ferngesteuerte“ Smombies in der Stadt sehe, ist das aber noch schlimmer. Die Vereinzelung in der auf Konsum, Effizienz und Wettbewerb ausgerichteten „neoliberalen“ Gesellschaft führt zu einer narzisstischen Normopathie - der Selbstentfremdung gesellschaftlich abgehängter Individuen durch Anpassung an ein krankes System.

Überforderte Elektriker

Diese Anforderungen von Nutzern und Internet-Unternehmen stellen viele Hersteller traditioneller elektrischer und elektronischer Geräte heute noch vor Probleme, denn die Umsetzung der IP „Protokollstapel“ erfordert mehr Computerleistung und Software, als diese Hersteller bislang kannten und zur Verfügung stellen konnten. Offene Standards und Open-Source- Implementierungen der Software können zwar die Herstellungskosten stark senken, vor allem wenn man bislang notwendige Bedienelemente und Anzeigen zugunsten einer App einfach weglassen kann, aber für solch eine Umstellung fehlt manchen traditionellen Firmen (etwa bei Herstellern von Unterhaltungsgeräten, Automobilen oder Haushaltsgeräten) oft das Know-How bzw. die Manpower. Daran sind leider schon viele deutsche Traditionsfirmen zugrunde gegangen.

Dieser Umstand wird inzwischen von cleveren chinesischen Anbietern genutzt, welche sehr preiswert Chips anbieten, welche veraltete Microcomputer-Architekturen oder gar analoge Primitiv-Elektronik mit Bluetooth- oder WLAN- Funkanbindung und einer Smartphone APP „aufwerten“. So werden selbst Steckdosen, Dimmer und Leuchten mit RGB- Farbeinstellung per Smartphone immer billiger angeboten - sowohl direkt von chinesischen Herstellern als auch namhaften Marken, welche diese China- Billigtechnik nun leicht und kostengünstig nachrüsten können.

Elektroschrott und Umweltzerstörung by Design

Dank der preiswerten chinesischen Mikrocontroller wie ESP8266 und zunehmend ESP32, weil diese gleich mehrere Funkprotokolle (Bluetooth, WLAN und LoRa) simultan unterstützen können, können wie erwähnt Kosten für konventionelle Benutzerschnittstellen mit LED- oder LCD- Displays und Schaltern eingespart werden. Softwarekosten fallen nur für die Entwicklung einer App an und nicht für jedes Gerät. So nimmt die Zahl der Geräte zu, die nur noch per App komplett bedienbar sind. Solch eine App wirft aber auch eine ganze Reihe neuer Probleme auf:

  1. sind sonstige Daten auf dem Smartphone noch sicher ?
  2. verletzt die App den Datenschutz und überträgt unnötig viele Daten an einen Server ins Ausland (etwa Mainland China) ?
  3. werden persönliche Daten übertragen oder gar gespeichert und wenn - wenigstens sicher ?
  4. funktioniert die App zuverlässig und stört nicht andere Anwendungen ?
  5. werden regelmäßig zumindest Sicherheits-Updates der App angeboten ?
  6. funktioniert die App auch noch, wenn die Smartphone-Firmware aktualisiert wird ?
  7. bleibt die App im AppStore / Playstore des Smartphone- oder Betriebssystem- Herstellers verfügbar ?
  8. funktioniert die App auch noch, wenn ein Server abgeschaltet wird, mit dem sie regelmäßig kommuniziert (wozu eigentlich) ?
  9. funktioniert die App auch noch, wenn keine Internet- Verbindung besteht ?

Jede dieser Fragen ist ein Stolperstein, der die Gebrauchsfähigkeit des durch die App gesteuerten Geräts in Frage stellt oder den Betrieb des nur so steuerbaren Geräts fragwürdig macht. Eine sichere Übertragung erfordert etwa Verschlüsselung und Zertifikate. Sichere Zertifikate haben ein Ablaufdatum und deren Aktualisierungen kosten Geld. Auch der Betrieb eines Servers kann viel Geld kosten. Firmen (hier nicht nur der Geräte-Hersteller, sondern auch der Betreiber eines chinesischen Servers oder Providers) stellen einen defizitären Betrieb schnell ein.

Jüngst hat Microsoft den Vertrieb von eBooks komplett eingestellt. Diese Bücher waren ausnahmslos mit DRM (digital rights/restrictions management) verschlüsselt. Damit wurden sämtliche so verkauften Microsoft eBooks unlesbar. Microsoft hat hier die Käufer wenigstens entschädigt - wobei Notizen und Lesezeichen der Leser damit auch unrettbar verloren sind.

Früher kaufte man ein Medium (etwa eine CD oder ein Buch) und hatte damit eine unbegrenzte Nutzungs- und Wiederverkaufs- Möglichkeit. Heute hat man keinerlei Garantie dafür, dass ein Buch oder Medium im nächsten Monat noch nutzbar ist und ein Verkauf ist oft schon technisch nicht möglich, da fest an einen persönlichen Account gebunden. Das eBooks im Gegensatz zu klassischen Büchern auch noch mehr Mehrwertsteuer kosten und so manchmal trotz geringerer Herstellungskosten noch teurer sind, ist eigentlich völlig absurd.

Schlimmer als bei Medien ist wirtschaftlich und ökologisch der komplette Ausfall oder nicht mehr sichere Benutzbarkeit eines Gerätes wegen eines der oben angesprochenen Probleme. Besonders Microsoft ist bereits durch allerlei „Experimente“ mit seinen Windows- bzw. Windows-CE Geräten aufgefallen, besonders mit mehreren schnell wieder eingestellten Versionen von „Windows-Phones“, die sich niemals am Markt durchsetzen konnten. Die Unart von „Bundling“ von proprietärer Software mit der Hardware war halt schon immer das „Kerngeschäft“ dieses Herstellers (ähnliches gilt natürlich auch für Apple, wobei noch eine regelrechte Abhängigkeit von möglichst vielen Apple-Geräten mittels proprietären Schnittstellen hinzu kommt).

Besonders fragwürdig ist aber, das Microsoft die „Apple-Methode“ auch bei der eigenen Hardware übernimmt. Neuere Notebooks werden mit einem vorinstallierten Windows 10S Betriebssystem ausgeliefert, auf das ausschließlich Anwendungen aus dem Microsoft Store installiert werden können. Bislang kann man dieses Krüppel-Betriebssystem zwar bei den meisten Notebooks durch ein richtiges Windows 10 ersetzen, möchte man auf der teuer erworbenen Hardware aber ein „freies“ OpenSource - Betriebssystem installieren, wird das etwa auch durch Kryptographie (Zertifikate) und viele weitere Hindernisse erschwert.

  • was passiert mit solchen Geräten, wenn Microsoft Windows 10 einstellt bzw. durch ein (mal wieder) „moderneres“ oder angeblich „noch sichereres“ :-? Betriebssystem ersetzt ?
  • was passiert, wenn Anwendungen aus dem „Windows Store“ rausfliegen, weil der Entwickler dafür nicht mehr zahlt oder Microsoft ein Konkurrenzprodukt heraus gibt - um es dann wie schon so oft bald wieder einzustellen ? Ähnliches kennt man ja auch bereits von Apple, die auch gerne weltanschaulich unpassende oder „politisch nicht korrekte“ Apps kommentarlos aus dem Apple-Store entfernen.
  • bei den Geräten werden (gerade bei Apple) zunehmend auch Schnittstellen entfernt und jede Erweiterung oder Reparatur der Geräte entweder unmöglich gemacht wird oder durch Software-auslesbare Seriennummern nur dem „zertifiziertem“ Apple-Service möglich ist.

Schlussendlich entsteht durch diese und andere Formen der geplanten Obsoleszenz eine riesige Menge von hochgradig umweltschädlichem Elektronikschrott in Verbindung mit gewaltigem Ressourcenverbrauch und einer kritischen Umweltbelastung, die bereits das Klima verändert hat.

Die Verschwendung bereits knapp werdender Ressourcen betrifft natürlich nicht nur Smartphones. Nachdem Biodiesel einst als „erneuerbarer“ Brennstoff gefeiert wird und per „Abwrackprämie“ der Umsatz der Autoindustrie angekurbelt wurde, wiederholt sich der Wahnsinn jetzt mit „Elektromobilität“. Hätte meist eine Gesammtbepflanzung Deutschlands mit etwa Raps die gesamte Landwirtschaft verdrängen müssen, so sollen heute die schon knappen Trinkwasser-Ressourcen für die Lithium-Akku Produktion vergeudet werden - nur um die noch am Öl-Tropf hängende Autoindustrie „zwangszuretten“ …

Hoffnungsschimmer ?

Auch wenn sehr viel gezielte Desinformation, Ablenkungsmanöver und Lobbyismus es schwer machen, ein realistisches Gesamtbild unserer „schönen neuen Welt“ zu erhalten, so bilden sich glücklicherweise Bewegungen, die dem „großen Schwindel“ aus Fake-News und Filterblasen entgegen wirken.

Das ist aber nicht einfach. Phobische Technik-Ängste, Konsumverweigerung oder leider viele Varianten von Populismus bieten keine Lösung der gewaltig angewachsenen Probleme. Es gibt inzwischen einfach zu viele Menschen und bereits zu weit eskalierte ökologische, ökonomische und gesellschaftlich-politische Probleme für „einfache Lösungen“ und Ideologien aller Art haben mit Glauben aber nicht mit Vernunft zu tun.

Glauben / Ideologie ist Unwissenheit und führt zu Affekten und nicht zu Lösungen.

Der Missbrauch von Wissenschaft und Technik - besonders durch die Wirtschaft und ihre Wachtums-orientierten „Märkte“ hat uns dieses Problem eingebracht, aber nur Wissen und Technik können uns aus den Problemen heraus führen.

Es gibt kein ungestraft ungebremstes Wachstum - weder hinsichtlich Population, Wirtschaft noch Geldsystem

Technologie ist erst einmal wertfrei, die gleiche Technologie, die uns massive Ressourcenverschwendung und scheinbar grenzenloses Wachstum ermöglicht hat, kann noch genutzt werden, um schädliche Prozesse umzukehren. Das geht freilich nicht ohne massive gesellschaftliche Folgen.

Auch in Wissenschaft und Technik gibt es neben einer großen Zahl von Mitarbeitern und Unternehmern, die nur an persönlichen Erfolgen, Karriere und guter Bezahlung interessiert sind, glücklicherweise auch einige, welche ihre Verantwortung für Gesellschaft und Umwelt erkennen und wahrnehmen - auch gegen beachtlichen Widerstand, Sanktionierung und juristische Verfolgung. Whistleblower, die Rechtsverstöße von Unternehmen oder gar staatlichen Einrichtungen aufdecken müssen als „Extremisten“ gebrandmarkt mit Verfolgung oder zumindest gesellschaftlicher Isolation rechnen.

Auf jeden Fall müssen solche Widerständler ihre Kompetenz nachweisen und fundierte Beweise für ihre Anschuldigungen haben. Dazu benötigen sie herausragendes technisches Detailwissen und einen ausgeprägten Spürsinn für Schwachstellen der untersuchten Systeme.

Gesetze, welche Verwendung oder gar nur den Besitz von Hackertools unter Strafe stellen und etwa „Reverse-Engineering“ von Software strafbar machen, erschweren den Nachweis fehlerhafter, schädlicher und beispielsweise den Datenschutz oder gar die körperliche Unversehrtheit verletzender Software-Komponenten.

Unter diesen Rahmenbedingungen verbietet sich eigentlich die Verwendung nicht in Quelltext offen gelegter Software in allen Bereichen, die Sicherheit oder Persönlichkeitsrechte der Bürger betreffen. Es kann nicht sein, dass deutsche Unternehmen, Behörden oder Schulen geschützte persönliche Daten „Cloud“-Servern von Unternehmen anvertrauen, die im Ausland operieren, wo deutsches oder europäisches Recht keine Geltung hat.

Jeder einzelne muß für sich entscheiden, ob er seine persönlichen Daten -etwa in social networks oder per Sprachassistent- solchen global operierenden Unternehmen anvertrauen möchte und sollte gegenüber hiesigen Unternehmen und Behörden seine Einwilligung einer Datenerfassung verweigern, wenn diese mit den Daten unverantwortlich umgehen.

Hinsichtlich der Anschaffung nachhaltiger Hardware, Reparatur und Upgrades finden sich im Web auch gute Infos, etwa bei iFixit, die neben Ersatzteilen auch Werkzeug verkaufen und Produkte nach Nachhaltigkeit bzw. Reparierbarkeit bewerten sowie Reparaturvideos veröffentlichen. Viele Reparaturvideos für alle Arten von Geräten findet man auch auf Youtube. Leider sollte man -besonders bei Apple- neuere Geräte wegen Unreparierbarkeit oder Reparatur nur durch Apple selbst meiden (ähnliches gilt für MicroSoft Surface, die iFixit als nicht zerstörungsfrei wartbar getestet hat). Für Anwendungen außer Spielen und Videobearbeitung ist ein überholtes („refurbished“) Gerät leider häufig geeigneter und Zukunfts - sicherer als ein aktuelles.

Inzwischen gibt es einige Reparatur - Cafés und eine lebendige „Maker“-Szene, welche Altgeräte reparieren und Teile davon zu neuen Produkten „recyclen“. Das ist sicher nachhaltiger als weiterhin überflüssigen Elektroschrott zu produzieren, nur damit Banken und „Shareholder“ Profite einfahren.

Die meisten anderen in der „Matrix“ müssen diese halt erst einmal erkennen, um entscheiden können, ob die rote oder blaue Pille für uns alle besser ist …

Das Video links ist zwar US-typisch recht reißerisch und wohl der VT / Truther-Szene nahe, die Aussagen und die Darstellung der transhumanistischen Ideologie kommen aber dennoch gut zum Ausdruck. Die meisten anderen Videos im gleichen Youtube-Kanal sind allerdings fragwürdig. Das rechte Video ist konzentrierte, sehr ausdrucksstarke Kapitalismus/Globalisierungs-Kritik mit vielen Werken des genialen (Ex-)Werbegraphikers Steve Cutts.

hardware/internet_der_dinge_iot.txt · Zuletzt geändert: 2019/09/23 19:38 von klaus